Wertekonflikte - wenn gegenseitige Erwartungen aufeinander prallen

Wer von beiden hat recht?

Ein Buchprojekt, das schon seit vielen Jahren in meiner Schublade schlummert, trägt den Titel „Meine Baustelle, Deine Baustelle“ und befasst sich genau mit dieser Frage.

Wann immer wir mit anderen Menschen in Kontakt und Berührung kommen, können unsere Eigenschaften, Umgangsformen und Persönlichkeitsmerkmale bei unserem Gegenüber zu Irritationen führen. Da wir uns selbst aber in der Regel als gut, richtig und normal betrachten, sehen wir im Konfliktfall natürlich erst einmal den anderen in der Pflicht, das eigene Verhalten zu ändern.

Somit lässt sich die Frage danach, wessen Baustelle so eine Situation tatsächlich offenbart, nicht pauschal beantworten. Es ist stets eine individuelle Verhandlung zwischen zwei oder mehr Menschen, die im günstigsten Fall zu einem tieferen menschlichen Verständnis füreinander und zu einer emotionalen wie inhaltlichen Annäherung führt.

Kontraproduktiv sind - gerade in bereits vertrauteren Beziehungen - Totschlagargumente wie „Du kennst mich doch“ oder „Du weißt doch, wie ich es meine“ oder „So bin ich eben“. Damit wird die Verantwortung zum Umgang mit der Situation zu 100% auf den anderen abgeschoben.

Die wichtigsten Erkenntnisse sind folglich:

🍀 Mein Verhalten ist nicht der Maßstab
🍀 Nur weil etwas für mich normal ist, ist es das nicht auch für andere
🍀 Meine Umgangsformen können Irritationen auslösen…
🍀 … und damit werde ich nicht per se kritisiert oder in Frage gestellt.

Noch ein wichtiger Sicherheitshinweis für alle besonders fürsorglichen, empathischen und harmonieliebenden Menschen: Es ist nicht euer Job, grundsätzlich 100% der Annäherung und Anpassung zu leisten, nehmt euer Gegenüber ruhig auch ein Stückweit in die Verantwortung, das ist langfristig weitaus liebevoller und zielführender, als wenn ihr anderen stets die volle Länge des Weges entgegenkommt.