Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich eine ganze Reihe der sogenannten „Soft Skills“ in der Praxis als besonders harte und anspruchsvolle Nüsse erweisen, deren Meisterschaft mit sehr viel Arbeit, Übung und Geduld verbunden ist.
Beginnen wir mit der 𝗞𝗼𝗻𝗳𝗹𝗶𝗸𝘁𝗳𝗮̈𝗵𝗶𝗴𝗸𝗲𝗶𝘁 bzw. der 𝗞𝗿𝗶𝘁𝗶𝗸𝗳𝗮̈𝗵𝗶𝗴𝗸𝗲𝗶𝘁. Um sich in einem Konflikt stark, konstruktiv und verbindend einzubringen, braucht es nicht nur Menschenkenntnis, diplomatisches Geschick und Differenzierungsvermögen, sondern auch die Stärke, jene Irritationen zu ertragen und abzufedern, die ausgetragene Konflikte zwangsläufig mit sich bringen. Um mit Kritik umzugehen, braucht es Offenheit und die richtige Mischung aus Selbstsicherheit und Verletzlichkeit, die im günstigsten Falle zu neuen Erkenntnissen und Entwicklung führt statt zu Verhärtung, Widerstand und Gegenwehr.
𝗙𝗹𝗲𝘅𝗶𝗯𝗶𝗹𝗶𝘁𝗮̈𝘁 ist eines meiner liebsten Beispiele für harte und anspruchsvolle Soft Skills, denn Flexibilität können nur jene erlangen, die zwei der hartnäckigsten und mühsamsten Grundmechanismen des menschlichen Lebens bändigen können: Gewohnheit und Trägheit. Menschliches Bewusstsein ist hochgradig auf Ökonomie getrimmt, darum hat die Natur die Gewohnheiten geschaffen - effiziente Prozesse, die ohne großes Nachdenken ablaufen. Impuls - Reaktion, nach immer gleichem Muster. Diese Grundkonfiguration auszuhebeln ist eine verflixt harte Übung.
Auch die 𝗟𝗲𝗿𝗻𝗯𝗲𝗿𝗲𝗶𝘁𝘀𝗰𝗵𝗮𝗳𝘁 setzt voraus, die eigene Trägheit zu überwinden. Manche Menschen verlieren im Laufe ihres Lebens die Motivation, sich neues Wissen anzueignen, neue Fähigkeiten zu entwickeln oder neue Blickwinkel ein- und anzunehmen. Darunter leiden aber nicht zuletzt zwischenmenschliche Beziehungen, denn um tiefe Verbindungen zu anderen Menschen aufzubauen und zu pflegen, braucht es diese Fähigkeit. Nicht umsonst heißt es, jemand anderen kennen zu 𝗹𝗲𝗿𝗻𝗲𝗻.
Die Beispiele zeigen, dass „Soft“ keineswegs gleichzusetzen ist mit „anspruchslos“ oder gar „entbehrlich“. Soft Skills stehen - gerade dort, wo Menschen im Team arbeiten und aufeinander angewiesen sind - ihren harten Gegenstücken in Relevanz und Bedeutsamkeit in nichts nach. So manches Projekt scheiterte schon - obwohl mehr als genug Hard Skills verfügbar waren - an einem Mangel von Soft Skills.
Welchen Soft Skill erlebt ihr im praktischen Alltag als besonders anspruchsvoll? Und welchen davon wisst ihr an euch selbst und euren Mitmenschen ganz besonders zu schätzen?




