Decent - Das kleine englische Wort, das mir im Deutschen so fehlt

Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um zu verstehen, dass Sprachen niemals 1:1 ineinander überführbar sind, dass es immer Begriffe gibt, die eine ganz spezifische Bedeutung haben, für die es in anderen Sprachen nur unbefriedigende oder gar keine Entsprechungen gibt.

Eines meiner liebsten Worte der englischen Sprache, auf die genau dies zutrifft, ist das kleine Adjektiv „decent“.

Grob ließe sich der Begriff etwa mit „anständig“ übersetzen, z.B. eine anständige Mahlzeit - a decent meal -, ein anständiger Mensch - a decent person - oder ein anständiges Leben - a decent life. Doch die Bedeutung des Begriffes reicht so viel tiefer und weiter.

Decent drückt für mich etwas aus, was in sich fundamental stimmig ist, eine Art von Zuhause und Geborgenheit, nach der sich Menschen sehnen. Wie viel Kraft in diesem einen Wort gebunden ist, wurde mir in einer Filmszene bewusst, in der eine junge Frau ihren Freund beschreibt: „You are kind and good and decent.“ - Du bist freundlich und gut… und dann kommt dieses Wort, das freundlich und gut erst vollständig macht, das zum Ausdruck bringt, dass diese Freundlichkeit und Güte absolut echt und wahrhaftig sind.

Ich glaube, dass es diese Echtheit ist, die das Wort decent für mich so bedeutsam macht, vor allem, weil es so behutsam und leise auf den Wert und die Bedeutsamkeit eines Menschen oder einer Sache hinweist. Der Begriff decent ist selbst decent.

In einer Welt, die verbal immer schroffer, lauter und aggressiver wird, werden diese leisen und dennoch kraftvollen Worte immer bedeutsamer.

Make earth decent again.