Große Unternehmen sind spannende soziale Biotope, in denen die unterschiedlichsten Persönlichkeiten und (Arbeits-)Haltungen aufeinander treffen. Je nachdem, wie die Unternehmen organisiert und deren Anreiz- und Sanktionssysteme beschaffen sind, bringen sie folgende Grundtypen mehr oder weniger stark ausgeprägt hervor.
👍🏼 Könner
Könner haben bzw. entwickeln Fähigkeiten und Talente, die sie zum Nutzen ihrer Projekte und Teams sinnvoll einbringen. Könner sind das leistungstechnische Rückgrat jeder Abteilung, die konsequent und zuverlässig Ergebnisse und Qualität abliefern, ohne dafür kontrolliert oder angestachelt werden zu müssen. Clevere Unternehmen fördern die Könner und ermutigen sie nicht nur, ihr Können weiter auf- und auszubauen, sondern es in Form von Best Practices auch an andere Mitarbeiter:innen weiterzugeben. Die wahren Könner eines Teams sind in der Regel keine Poser, was in der Praxis oftmals dazu führt, dass die Könner nicht die Aufmerksamkeit und Anerkennung erhalten, die ihren Leistungen entsprechend angemessen wäre. Viele Führungskräfte machen den Fehler, ihre Könner irgendwann als zu selbstverständlich zu erachten.
🚫 Nichts-Könner
Es gibt kein großes Unternehmen, bei dem sich ein gewisser Prozentsatz der Belegschaft nicht in zweiter oder dritter Reihe gemütlich einrichtet und nur das Ziel verfolgt, mit möglichst geringem Aufwand bis zum nächsten Gehaltsscheck bzw. bis zur Rente zu kommen. Systeme, in denen letztlich nur noch das Klauen der berühmten silbernen Löffel 🥄 ernsthafte Folgen für die eigene Position mit sich bringt, verführen viele Menschen dazu, irgendwann in den Minimal-Modus zu gehen und sich von ihrem sozialen Umfeld mittragen zu lassen. Unnötig zu erwähnen, dass solchen Zeitgenossen nichts daran liegt, ihr Können zu verbessern oder gar neue Fähigkeiten zu erwerben.
👋🏼 Nichts-dafür-Könner
Eine besonders spannende Gattung, die sich vor allem in Unternehmen findet, in der Fehler und falsche Entscheidungen brachial abgestraft und bloßgestellt werden, sind die Nichts-dafür-Könner. Absurde Mengen von Zeit und Energie werden in solchen Umfeldern dafür aufgebracht, im Falle eines Scheiterns nicht schuld zu sein. Hierfür werden beispielsweise riskante Entscheidungen vermieden oder anderen überlassen, der Dienstweg penibel eingehalten oder vorsorglich Bauernopfer und potenzielle Schuldige identifiziert, falls es irgendwann zur Eskalation kommt. Eine destruktive Feedback- und Fehlerkultur fördert die Entwicklung und Verbreitung der Nichts-dafür-Könner-Mentalität, ebenso wie sie ein konstruktiver und wohlwollender Umgang gar nicht erst entstehen lässt. Wo es keine Schuldigen braucht, braucht sich auch niemand davor schützen, hinterher der/die Dumme zu sein.
🍀 Unternehmen haben großen Einfluss darauf, welches Mischungsverhältnis aus Könnern, Nichts-Könnern und Nichts-dafür-Könnern in ihrer Organisation entsteht.




