Als dieser Satz mal beiläufig am Ende eines Treffens fiel, war ich zuerst etwas irritiert und dann ziemlich amüsiert.
„Ich muss heute noch meditieren.“
Wie kann ich meditieren müssen (wollen)? Stellt das nicht den ganzen Sinn und Zweck der Übung in Frage? Wie soll tiefste Entspannung und Loslassen entstehen, wenn Meditation von einem Muss angetrieben ist?
Etwas, das ich tun muss, fühlt sich zumeist völlig anders an als etwas, das ich tun möchte oder was ich einfach nur tue. Wahrnehmung, Durchführung und nicht zuletzt auch die Ergebnisse einer Aktivität unterscheiden sich mitunter gravierend, wenn ein „müssen“ oder ein „wollen“ oder sogar ein „mögen“ dahinter steht.
Mein Mentor meinte hierzu, dass das „Wie“ oftmals sehr viel bedeutsamer ist als das „Was“ einer Handlung.
Es macht eben einen spürbaren Unterschied, ob ich beispielsweise sage:
„Ich muss noch Blumen für meine Frau besorgen.“ oder
„Ich möchte noch Blumen für meine Frau besorgen.“oder
„Ich mag es, noch Blumen für meine Frau zu besorgen.“
Hinter jedem der drei Sätze offenbart sich ein ganz anderes Gefühl.
In manchen Aktivitäten hat das „müssen“ meiner Ansicht nach nichts verloren. Wenn ich nett sein muss, was ist dieses Nettsein dann noch wert? Wie echt ist ein Lächeln, wenn es unter innerem oder äußeren Zwang entsteht und wieviel Entspannung verspreche ich mir von einer Meditation, zu der ich mich selbst nötige?
Es braucht nicht immer Druck und Disziplin, manchmal reicht es völlig aus, die Dinge zu mögen, die getan werden wollen.




