Ja, aber…-Menschen tragen besonders gerne Brillen der Marke Geht-nicht-weil.
Eine gesunde Prise Skepsis kann einer Diskussion durchaus zuträglich sein, doch gerade im deutschsprachigen Raum erreicht diese Prise oftmals die Dimension einer Suppenkelle, wodurch sich Austausch und Debatte reichlich zäh gestalten.
Es ist überaus mühsam, sich mit Menschen oder Gruppen auseinander zu setzen, die jeden zweiten Satz mit dem Argument „Das geht nicht, weil…“ oder „Das ist nicht sinnvoll, weil…“ oder „Das ist nicht möglich, weil…“ erwidern.
Begeisterungsfähigkeit, Tatendrang, Neugier, Lernbereitschaft, Freude am Experimentieren und Lust auf Neues - all dies vermisse ich im Umgang mit anderen ziemlich oft und frage mich dann, ob es nur mir so geht, dass die o.g. Aspekte maßgeblich zu meiner Lebensfreude und Erfüllung beitragen.
Natürlich verstehe ich, dass das Verweilen im Gewohnten und Altbekannten Sicherheit und Struktur vermittelt, aber wie viele technologische, kulturelle und zivilisatorische Errungenschaften hätten wir heute nicht, wenn sich Menschen nicht aus dieser Komfortzone gewagt hätten? Und mehr noch, viele Pioniere mussten sich jahrelang - manche ein halbes Leben - mit Skepsis und Widerstand ihrer Mitmenschen plagen, um ihren Visionen und Produkten zum Erfolg zu verhelfen.
Besonders nervig finde ich jene Geht-nicht-weil-Brillenträger, die sich nach dem Erfolg einer (von ihnen nicht unterstützten) Idee als große Supporter inszenieren, die „vom ersten Moment an hinter der Idee standen und niemals an deren Erfolg zweifelten“. Besonders in der Politik lässt sich dieses unappetitliche und heuchlerische Schauspiel regelmäßig beobachten.
Lasst uns dem Modell der Geht-nicht-weil-Brille das Modell Lasst-es-uns-gemeinsam-probieren gegenüberstellen. Selbst wenn die Ergebnisse vielleicht nicht den Erwartungen entsprechen, so werden wir unterwegs eine Menge lernen, Spaß haben und vielleicht sogar ein paar Freundschaften fürs Leben schließen. Wäre ja möglich, oder?




