Beim Tauziehen ziehen alle am gleichen Strang

Wenn ich mir die Arbeit in so manchem Team und so mancher Organisation betrachte, werde ich unwillkürlich ans Tauziehen erinnert. Große Kräfte und viel Energie werden aufgebracht, aber weil sich diese Kräfte völlig unabgestimmt aufeinander entfalten, verpufft ein großer Teil davon oder hebt sich gegenseitig auf.

Banalste Physik reicht aus, um zu veranschaulichen, warum es in so manchem Projekt einfach nicht vorangeht. Wenn zwei gleiche große Kräfte in entgegengesetzte Richtung wirken, so heben sie sich gegenseitig auf. Kraft- und Gegenkraft heißt es in der Fachliteratur und genau dieses „Gegen“ findet sich an den Schnittstellen von Projekt- und Unternehmensorganisation ganz oft dort, wo es in der Theorie ein Miteinander bräuchte, also eine Kraftentfaltung in die gleiche Richtung.

Das Beispiel verdeutlicht vor allem Sinn und Notwendigkeit, sich über Ziel und Richtung einig zu sein, bevor das Tauziehen beginnt. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass nicht jede:r Beteiligte in eine völlig andere Richtung arbeitet und wirkt und somit die Bemühungen anderer in Frage stellt oder (versehentlich) sabotiert. Der gute alte Spruch „Sage mir, wie ein Projekt beginnt und ich sage Dir, wie es endet.“ bringt diese Notwendigkeit exzellent auf den Punkt.

Natürlich gehört hierzu auch, dass alle Beteiligten an so einem Tauziehen ihrer eigenen Verantwortung nachkommen, um ihren optimalen Platz am Seil zu finden und ihre Kraftentfaltung mit den Umstehenden bestmöglich zu koordinieren. Wenn dies alle gewissenhaft tun, lassen sich auch schwerste Lasten gemeinsam bewegen und alle Kräfte optimal bündeln.

Das ist es, was in seiner vornehmsten Bedeutung heißt, am gleichen Strang zu ziehen.